Esther Ebner

Snowboarden hat das Skifahren gerettet: Peter Radacher erzählt.

Ein Mann, eine große Leidenschaft. Peter (alias Pez) Radacher ist der Gründer des Snowboardmuseums in der Region Hochkönig. 2002/2003 startete er dieses Projekt aus einer großen persönlichen Leidenschaft heraus, dem Snowboarden.

Er stammt aus einer sehr Skisport-verbundenen Familie. Sein Urgroßvater hatte die erste Skischule im Salzburger Land: Das war schon 1923! Der Großvater war 1952 in Oslo bei den Olympischen Winterspielen dabei.


Peter selbst war in einer Sportschule und war in diesem Zuge in Skandinavien unterwegs. Im Holmenkollen Skimuseum war er total begeistert, wie die Skigeschichte mit Hilfe einer Timeline abgebildet war. Dort waren auch ca. zehn Snowboards ausgestellt und so entschloss er sich auch Zuhause ein Snowboardmuseum einzurichten.

Er begann Snowboards von alten Renn- und Snowboardkolleg:innen einzusammeln. So kamen schnell 40 Snowboards zusammen und er startete das Snowboardmuseum vorerst online. Als er dann Sportwissenschaft studierte, hatte er dort seinen Fokus auf die Snowboardgeschichte gelegt und seine Studentenwohnung war voll mit all seinen gesammelten Snowboards. Er lebt, was er liebt.

Nach der Studienzeit ging er wieder nach Hause in den Betrieb (Hochkeilhaus) und hat die alte Garage mit seinen angesammelten Boards in ein Museum umgestaltet. Nachdem er eine Menge Boards zusammengetragen hatte, begann er die interessanten Snowboards herauszufiltern und diese aufzubereiten. Das waren Snowboards, welche die technischen Fortschritte gut abbildeten, oder Eigentum von bekannten Snowboarder:innen waren.

Seine Schätze stammen aus Japan, den USA, Kanada und verschiedenen Teilen Europas. Mittlerweile zählt er 1100 Boards aus aller Welt.

Auch in der Jugendherberge von Pez sind überall Snowboards aufgehängt, die eine Verlängerung des Snowboardmuseums darstellen. Peters Anliegen ist, dass die Gäste in diese Zeitmaschine des Snowboardens voll und ganz eintauchen können. Die Schülergruppen, die bei ihm zu Gast sind, bekommen diese Geschichte leidenschaftlich von ihm vermittelt. Durch die Kenntnisse über die Tradition und Entwicklung bekommt der Sport eine höhere Wertigkeit für die Schüler:innen.

Sein Wunsch wäre, dass diese Geschichte in einer urbanen Umgebung Platz findet, damit der Bezug – also die Entwicklung und Geschichte – einer breiteren Masse vermittelt werden kann. Was ihn selbst am meisten fasziniert, sind die verschiedenen Shapes, das Gewicht der Boards, die Materialien und die gesamte Entwicklung.

Sein Buchprojekt "Boards – A Brief Histroy of the Snowboard" startete er 2012 und seit 2020 gibt es dieses Buch zu kaufen. Das Buch wurde bis in die USA und nach Kanada geliefert und eine neue Auflage ist aktuell in Planung.

Und wie hat Snowboarden nun das Skifahren gerettet?

Die Ski waren von 1920 bis Mitte 1990 immer gleich: schmal und dünn. Materialien und Beschläge haben sich weiterentwickelt, aber der Shape war 1:1 der Gleiche. Da die Snowboard-Industrie in den 90er Jahren boomte, musste die Skiindustrie mitziehen. Deshalb entwickelte Reinhard Fischer aus einem Snowboard die ersten Prototypen des heutigen Carving Skis, und Georg Ehrschwendner schnitt einen Powder-Ski aus einem Atomic Snowboard aus.

Auch der Twin Tip und der Freestyle-Ski finden ihren Ursprung im Snowboard. Hinzu kam der Boom von Snowboard-Parks. Als Salomon 1997 in den Snowboard-Sport einstieg, weitete das den Freestyle Hype auch auf die Ski aus.

Natürlich hat auch umgekehrt die Ski-Industrie ganz viel für das Snowboard getan: Skigebiete, Infrastruktur, Technologien, Kanten, Beläge, Holz-Sandwich-Konstruktionen usw. waren dadurch schon aufbereitet. So haben sich beide Sportarten gegenseitig entwickelt, gepusht und weitergebracht.


Und da sagt nochmals jemand, dass Geschichte langweilig sei. 
Sie ist der Ursprung von allem was jetzt als selbstverständlich gesehen wird.

Esther Ebner

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